Wenn das Gefühl größer ist als das Kind
Montagnachmittag, du holst dein Kind von der Kita ab. Eigentlich war alles schön. Dann: der falsche Keks. Die falsche Jacke. Oder einfach ein „Nein“. Dein Kind schreit, weint, wirft sich auf den Boden. Manche Eltern erleben das jeden Tag, manchmal mehrmals.
Wenn du dich in solchen Momenten hilflos fühlst, bist du nicht allein. Und nein, es liegt nicht an dir. Wutausbrüche gehören zur Kindheit wie Milchzähne und aufgeschürfte Knie. Sie sind kein Zeichen von schlechter Erziehung und kein schlechter Charakter. Sie zeigen, dass das Gehirn deines Kindes noch lernt und dabei deine Hilfe braucht.
Bei Kindern zwischen anderthalb und fünf Jahren. Die Wut ist am Anfang am stärksten, danach suchen Kinder oft Trost.
Potegal, Kosorok und Davidson, Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics, 2003Gemeint sind Kinder und junge Menschen von 7 bis 22 Jahren, befragt im Herbst 2024. Vor der Pandemie waren es etwa 17 %.
COPSY-Studie, UKE Hamburg, Bundesgesundheitsblatt 2025Sie fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft. Wer ausgelaugt ist, hat weniger Kraft für große Gefühle.
DAK-Präventionsradar, Schuljahr 2025/26, Klassen 5 bis 10Was emotionale Balance bei Kindern bedeutet
„Emotionale Balance“ klingt nach einem Kind, das ruhig bleibt, wenn andere längst schreien. Das ist ein Missverständnis, und es setzt Eltern unnötig unter Druck. Ein Kind in emotionaler Balance hat nicht weniger Gefühle. Es hat gelernt, nach einem großen Gefühl wieder herauszufinden.
Darauf kommt es im Alltag an: nicht, ob dein Kind wütend wird, sondern wie lange es braucht, um sich wieder zu beruhigen, und ob es dabei allein ist oder dich an seiner Seite hat.
Drei Fähigkeiten, die zusammen Balance ergeben
Dein Kind spürt im Körper, dass ein Gefühl aufzieht, bevor es davon überrollt wird. Heiße Wangen, ein enger Bauch, Fäuste, die sich ballen.
Es kann sagen oder zeigen, was gerade da ist: wütend, traurig, enttäuscht, aufgeregt. Kleine Kinder zeigen es oft mit dem Körper, bevor sie die Worte haben.
Es kennt Wege zurück: atmen, sich bewegen, Nähe suchen, sich kurz zurückziehen. Diese drei Fähigkeiten bauen aufeinander auf und wachsen über Jahre.
Wichtig dabei: Am Anfang ist Balance geliehen. Kleine Kinder regulieren sich nicht selbst, sie regulieren sich über dich. Erst nach und nach wird aus deiner Ruhe ihre eigene. Was du in welchem Alter erwarten kannst, liest du unter Was Kinder wann können, die Werkzeuge findest du bei den 7 Strategien und den Atemübungen.
Was bei einem Wutausbruch im Kindergehirn passiert
Ein kurzer Blick ins Kindergehirn erklärt fast alles. Zwei Bereiche spielen die Hauptrolle.
Sie reagiert blitzschnell auf alles, was sich bedrohlich anfühlt. Bei einem Kleinkind kann das der „falsche“ Becher genauso sein wie ein echter Schreck. Die Alarmanlage schaltet auf Kampf oder Flucht: schreien, treten, weglaufen, erstarren. Dein Kind entscheidet sich nicht dafür, es passiert.
Er ist für Impulskontrolle, Vorausdenken und das Steuern von Gefühlen zuständig. Dieser Teil des Gehirns reift erst im Lauf von Kindheit und Jugend aus. Dein Kind kann seine Impulse noch nicht zuverlässig bremsen. Nicht, weil es nicht will, sondern weil die Bremse noch im Bau ist.

Wenn dein Kind schreit, weil der Keks zerbrochen ist, ist das kein Drama und keine Manipulation. Es ist ein Gehirn, das von einem Gefühl überflutet wird. Dein Kind braucht dann keine Erklärung, sondern dich als Bremse von außen.
Die gute Nachricht: Die Verbindung zwischen Alarmanlage und Bremse wird mit jeder Erfahrung stärker. Jedes Mal, wenn du dein Kind durch einen Wutausbruch begleitest, statt dagegen anzukämpfen, übt sein Gehirn, sich wieder zu beruhigen.
Wutausbruch oder Reizüberflutung?
Nicht jeder Ausbruch ist Wut. Manchmal ist einfach alles zu viel. Dann spricht man auch von einem Meltdown. Beides sieht ähnlich aus, braucht aber etwas anderes von dir.
| Merkmal | Wutausbruch | Reizüberflutung |
|---|---|---|
| Auslöser | Ein Nein, ein Wunsch, der nicht klappt, Frust | Zu viel auf einmal: Lärm, Licht, Menschen, Müdigkeit |
| Was dein Kind will | Etwas bekommen oder etwas loswerden | Nur noch raus aus der Überforderung |
| Was hilft | Ruhig bleiben, die Grenze halten, Nähe anbieten | Reize runterfahren: leiser, dunkler, weniger Worte |
| Wie es endet | Die Wut ebbt ab, oft kommen Tränen und der Wunsch nach Trost | Erst wenn sich das Nervensystem erholt hat, das braucht Zeit |

Gut zu wissen: Müde Kinder explodieren schneller. Wenn die Wutausbrüche vor allem abends kommen, lohnt sich ein Blick in den Kinderschlaf-Guide.
Emotionale Entwicklung: Was Kinder wann können
Kinder lernen Schritt für Schritt, mit ihren Gefühlen umzugehen. Zu wissen, was in welchem Alter realistisch ist, nimmt viel Druck raus, für dich und für dein Kind.
Ganz auf dich angewiesen
Babys und Kleinkinder können ihre Gefühle noch nicht selbst regulieren. Deine Stimme, dein Körperkontakt und deine Ruhe zeigen ihnen, dass Gefühle kommen und wieder gehen. Schon ab etwa vier bis sechs Wochen zeigen Babys deutlich Freude und schauen lieber in ein fröhliches Gesicht.
Die Hochphase der Wutausbrüche
Dein Kind hat jetzt einen eigenen Willen, aber noch kaum Werkzeuge für Frust. Die gute Nachricht: Die meisten Wutanfälle sind kurz. In einer US-Studie mit 335 Kindern zwischen anderthalb und fünf Jahren waren drei von vier Wutanfällen nach spätestens fünf Minuten vorbei.
Die ersten eigenen Strategien
Kinder beginnen, sich selbst abzulenken, sich zu trösten oder schwierigen Situationen auszuweichen. Sie lernen Wörter für Gefühle wie Stolz, Scham und Enttäuschung. Kinder, die ihren Körper gut spüren, merken früher, dass ein Gefühl anrollt.
Die zweite Welle rund um den Schulstart
Viele Eltern sind überrascht: Nach einer ruhigeren Zeit kommen plötzlich wieder heftige Gefühle. Oft wird das „Wackelzahnpubertät“ genannt. Neue Regeln, längeres Stillsitzen, neue Freundschaften: Das alles will verarbeitet werden.
Mehr innere Regulation
Ältere Kinder sprechen sich selbst gut zu („Das ist gar nicht so schlimm“), denken über Lösungen nach und reden über das, was sie beschäftigt. Du trittst mehr in den Hintergrund, bleibst aber der sichere Hafen.
Co-Regulation: Warum dein Kind dich braucht, um Gefühle zu lernen
Co-Regulation heißt: Du hilfst deinem Kind durch ein Gefühl, das es allein noch nicht bewältigen kann. Du bist die Bremse von außen, die sein Gehirn noch nicht selbst hat. Das klingt einfach und ist im Alltag oft schwer, vor allem, wenn du selbst müde oder am Limit bist.
So begleitest du einen Wutausbruch in vier Schritten
- Selbst ruhig werdenvor allem anderenDein Kind spürt deinen Zustand. Atme dreimal tief durch, bevor du reagierst. Nicht für dein Kind, sondern für dich. Deine Ruhe steckt an.
- Da sein statt redenmitten im SturmMitten im Wutausbruch kommen Worte nicht an. Was ankommt: deine ruhige Nähe, eine Hand auf dem Rücken, wenn dein Kind das möchte, oder einfach dein Blick.
- Das Gefühl benennenwenn es ruhiger wird„Du bist gerade richtig wütend, oder?“ Ein Gefühl in Worte zu fassen, hilft dem Gehirn, es einzuordnen.
- Gemeinsam atmenzum Schluss„Lass uns zusammen tief einatmen.“ Mach es vor und mach es mit. Kinder lernen Regulation nicht durch Erklärungen, sondern durch Nachmachen.
Warum der dritte Schritt wirkt, hat die Hirnforschung bei Erwachsenen gezeigt: Wer ein Gefühl in Worte fasst, dessen Amygdala reagiert schwächer auf belastende Bilder (Lieberman u. a., Psychological Science, 2007).
- Ruhig und in der Nähe bleiben
- Wenige, leise Worte
- Nähe anbieten, nicht aufdrängen
- „Ich bin hier, wenn du mich brauchst.“
- „Reiß dich zusammen!“
- Lange Erklärungen oder Diskutieren
- Ignorieren oder weggehen
- Drohen oder Strafen ankündigen

„Kinder brauchen nämlich Verständnis und Wärme, aber auch ein klares Nein, wenn es mal nötig ist.“
Co-Regulation ist kein Verwöhnen und kein Nachgeben. Die Grenze darf bleiben. Du begleitest nur das Gefühl, das sie auslöst. Kinder, die diese Begleitung verlässlich erleben, bauen darauf ihre eigene Fähigkeit zur Selbstregulation auf.
Und wenn du merkst, dass dir selbst in solchen Momenten die Ruhe fehlt: Genau dafür hat Isabell die K.I.D.S. Eltern Challenge™ entwickelt. Zehn Tage, je etwa zehn Minuten, nur für dich. Du verstehst besser, was dein Kind gerade braucht, und lernst, wie du in hitzigen Momenten ruhiger bleibst. Tag 1 kannst du kostenlos ansehen.
7 Strategien für den Umgang mit großen Gefühlen
Co-Regulation ist das Fundament. Diese sieben Strategien helfen dir und deinem Kind, im Alltag besser mit großen Gefühlen umzugehen, am besten schon, bevor es stürmt.
Kinder, die ihren Körper gut spüren, erkennen Gefühle früher. Frag nach: „Wo spürst du die Wut? Im Bauch, in den Händen, im Kopf?“ Kinderyoga trainiert genau das, ganz spielerisch.
„Du freust dich gerade richtig!“ „Das hat dich traurig gemacht, oder?“ Wer Gefühle in ruhigen Momenten kennenlernt, erkennt sie im Sturm leichter wieder.
Eine Atemübung hilft nur, wenn dein Kind sie schon kennt. Übt sie spielerisch, wenn alles gut ist, zum Beispiel vor dem Abendessen.
Große Gefühle stecken im Körper. Hüpfen, stampfen, rennen, ein Kissen boxen: Das baut Anspannung ab, ohne jemandem zu schaden. Danach fällt Ruhe leichter.
Ein fester Ort mit Kissen, Kuscheltier und vielleicht einer Atemkugel. Keine Strafecke, sondern ein Rückzugsort, den dein Kind selbst wählen darf, wenn es eine Pause braucht.
Viele Wutausbrüche passieren bei Übergängen: anziehen, losgehen, vom Spielplatz heim. „Noch fünf Mal rutschen, dann sagen wir Tschüss.“ Wer weiß, was kommt, kann sich darauf einstellen.
„Ich bin gerade auch frustriert, das war ein anstrengender Tag.“ Wenn du altersgerecht über deine Gefühle sprichst, lernt dein Kind: Auch Erwachsene haben große Gefühle, und es gibt Wege, damit umzugehen.
Atemübungen, die Kinder wirklich anwenden können
Ruhiges Atmen ist der schnellste Weg zurück zur Ruhe. Wird das Ausatmen länger als das Einatmen, schlägt das Herz langsamer und der Körper entspannt sich. Nur: „Atme mal tief durch“ funktioniert bei Kindern selten. Sie brauchen Bilder.
Drachen-AtemAtemübung
Tief durch die Nase einatmen und dann ganz langsam durch den Mund ausatmen, als würde ein Drache sein Feuer auspusten. Das lange Ausatmen ist der Schlüssel.
„Du bist ein Drache. Hol tief Luft und puste dein Feuer ganz langsam aus.“
Luftballon-AtemBauchatmung
Die Hände auf den Bauch legen. Beim Einatmen wird der Bauch rund wie ein Luftballon, beim Ausatmen wird er wieder klein.
„In deinem Bauch ist ein Luftballon. Mal sehen, wie groß er wird!“
Blumen-AtemAtemübung
Langsam durch die Nase einatmen, als würde dein Kind an einer Blume riechen. Dann sanft ausatmen und eine Pusteblume wegpusten.
„Riech an der schönsten Blume der Welt. Und jetzt puste die Pusteblume weg.“
Bienen-SummenAtemübung
Tief einatmen und beim Ausatmen summen wie eine Biene: Mmmmmm. Das lange Summen macht das Ausatmen automatisch langsam.
„Du bist eine kleine Biene und summst, bis die Luft ganz leer ist.“
Der VulkanAnspannen und loslassen
Beim Einatmen die Fäuste ballen und alle Muskeln fest anspannen, wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Beim Ausatmen alles locker lassen. Zwei bis drei Mal.
„Der Vulkan brodelt, brodelt, brodelt und pffff: Die ganze Hitze ist raus.“

Übt sie regelmäßig, wenn alles ruhig ist, zum Beispiel als Abendritual. Wenn dein Kind sie kennt und mag, kann es sie in aufgeladenen Momenten abrufen. Ist dein Kind jünger als sechs, findest du Atemübungen in jedem Abenteuer im KIDSYOGA+ Club.



Kinderyoga und Emotionsregulation: Was die Forschung sagt
Kinderyoga ist mehr als Bewegung. Es verbindet drei Dinge, die Kindern im Umgang mit Gefühlen helfen:
Große Gefühle dürfen raus: stampfen wie ein Dino, brüllen wie ein Löwe. Statt runtergeschluckt wird die Energie verbraucht.
Langes Ausatmen bremst den Herzschlag. Mit Bildern wie Drache oder Luftballon wird daraus ein Werkzeug, das Kinder überall dabeihaben.
Innere Bilder helfen, das Gedankenkarussell anzuhalten. Dein Kind lernt einen Ort kennen, an den es sich jederzeit zurückziehen kann.
Was Studien zeigen
Sie zeigen immer wieder: Kinder regulieren ihre Gefühle besser, haben weniger Stress und sind aufmerksamer.
Khalsa und Butzer, Annals of the New York Academy of Sciences, 2016Viert- und Fünftklässler grübelten danach weniger, hatten seltener belastende Gedanken und regten sich weniger auf.
Mendelson u. a., Journal of Abnormal Child Psychology, 2010Bei Fünfjährigen hat sich die Unaufmerksamkeit nach zwölf Wochen fast halbiert. Die Kinder waren auch weniger hyperaktiv.
Jarraya u. a., Frontiers in Psychology, 2019Auch in Deutschland wird dazu schon lange geforscht. Marcus Stück hat Mitte der 1990er-Jahre an der Universität Leipzig das „Entspannungstraining mit Yogaelementen“ (EMYK) für Schulkinder entwickelt und wissenschaftlich begleitet.
Gefühle als Abenteuer
Im Präventionskurs „Yoga-Abenteuer für Kinder“ geht es in Woche 7, der Wetterreise, genau darum: Gefühle erforschen. Probier die Idee zu Hause aus und frag dein Kind abends: „Wie ist dein Wetter heute? Sonnig, wolkig oder gewittrig?“ So wird aus einem schwierigen Thema ein Spiel, und dein Kind lernt ganz nebenbei, seine Gefühle zu benennen.
„Die ist 5. Und sie kämpft sehr mit ihren Gefühlen und deshalb sind neue Impulse zur Selbstregulation für mich echt Gold wert!“
Eine Mutter hat mit ihrer fünfjährigen Tochter nach der Kita die ersten Übungen ausprobiert und Isabell danach geschrieben.

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Emotionale Herausforderungen nach Alter
Was dein Kind emotional beschäftigt, verändert sich mit dem Alter. Hier die typischen Themen und was jeweils hilft.
2 bis 4 Jahre: Frust und Selbermachen
„Alleine machen!“ Und dann klappt es nicht. Wutausbrüche sind in diesem Alter das Hauptventil. Was hilft: Geduld, Mitgefühl und kleine Wahlmöglichkeiten wie „Die rote oder die blaue Jacke?“. Einfache Tierübungen bauen Frust spielerisch ab.
4 bis 6 Jahre: Streit und Ausgeschlossensein
„Die spielen nicht mehr mit mir!“ Freundschaften werden wichtiger, damit kommen Enttäuschung und Eifersucht. Was hilft: Gefühle ernst nehmen statt „Ist doch nicht so schlimm“, gemeinsam Lösungen suchen und schwierige Situationen im Rollenspiel üben.
6 bis 8 Jahre: Leistung und Vergleich
„Alle sind besser als ich!“ Mit der Schule kommen Noten, Vergleiche und der Wunsch dazuzugehören. Was hilft: Stärken sehen, Fehler als Teil des Lernens behandeln und nach dem Schultag bewusst runterkommen.
8 bis 10 Jahre: Selbstbild und Rückzug
„Lass mich in Ruhe!“ Kinder vergleichen sich stärker, hinterfragen Regeln und wollen mehr selbst bestimmen. Was hilft: Gesprächsbereitschaft zeigen, ohne zu drängen, Bewegung und Atemübungen anbieten statt verordnen und klare Absprachen zum Bildschirm.
Wann sind große Gefühle zu groß? Warnsignale erkennen
Wutausbrüche und starke Gefühle sind in der Kindheit normal. Eine Studie mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren hat aber Merkmale gefunden, bei denen sich ein genauerer Blick lohnt: sehr lange Ausbrüche, sehr viele am Tag, Verletzungen und Kinder, die sich danach kaum beruhigen können (Belden, Thomson und Luby, Journal of Pediatrics, 2008).
- Wutausbrüche dauern regelmäßig länger als 20 bis 25 Minuten und dein Kind lässt sich kaum beruhigen
- Dein Kind verletzt sich selbst oder andere während der Ausbrüche immer wieder
- Es gibt an mehreren Tagen hintereinander mehr als fünf Wutausbrüche am Tag
- Die Ausbrüche werden nach dem Kita-Alter nicht seltener, sondern häufiger oder heftiger
- Dein Kind ist über Wochen traurig, zieht sich zurück oder hat an nichts mehr Freude
- Dazu kommen Schlafprobleme, Veränderungen beim Essen oder häufige Bauch- und Kopfschmerzen
- Kita, Schule oder euer Familienleben leiden stark darunter
- Du selbst bist am Ende deiner Kraft
- Eure Kinderärztin oder euer Kinderarzt
- Eine Erziehungsberatungsstelle, die Beratung dort ist kostenlos
- Eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
Sich Hilfe zu holen, ist ein Zeichen von Stärke. Trotzdem tun es viele nicht: In der BELLA-Studie hatte nicht einmal ein Drittel der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten professionelle Hilfe gesucht, genau 29,5 % (Hintzpeter u. a., European Child and Adolescent Psychiatry, 2015).
WeiterlesenSchlaf und Gefühle hängen eng zusammen: der Kinderschlaf-GuideHäufige Fragen zu Emotionen bei Kindern
Was bedeutet emotionale Balance bei Kindern und ab wann können Kinder das?
Emotionale Balance bedeutet nicht, selten wütend zu werden, sondern nach einem großen Gefühl wieder zur Ruhe zu finden. Dazu gehören drei Fähigkeiten: das Gefühl im Körper wahrnehmen, es benennen und einen Weg zurück kennen. Bis etwa 4 Jahre gelingt das fast nur mit dir zusammen (Co-Regulation). Ab etwa 4 Jahren entwickeln Kinder erste eigene Strategien, ab dem späten Grundschulalter regulieren sie sich zunehmend von innen. Ein immer ausgeglichenes Kind ist kein realistisches Ziel, ein Kind, das sich schneller wieder fängt, schon.
Sind Wutausbrüche bei einem 5-Jährigen noch normal?
Ja. Wutausbrüche kommen in diesem Alter noch vor, besonders rund um den Schulstart. Sie sollten aber seltener und kürzer werden als mit 2 oder 3 Jahren. Dauern sie regelmäßig länger als 20 bis 25 Minuten oder werden sie häufiger und heftiger, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.
Soll ich mein Kind bei einem Wutausbruch ignorieren?
Nein. Ignorieren kann das Gefühl verstärken, allein und überfordert zu sein. Besser: ruhig in der Nähe bleiben, ohne zu diskutieren oder zu erklären, aber auch ohne wegzugehen. Will dein Kind dich gerade nicht nah haben, sag: „Ich bin hier, wenn du mich brauchst.“
Hilft Kinderyoga bei Wutausbrüchen?
Kinderyoga kann Kindern helfen, besser mit großen Gefühlen umzugehen. Sie spüren ihren Körper genauer, kennen Atemübungen als Werkzeug und merken früher, wenn ein Gefühl anrollt. Studien zu Yoga an Schulen zeigen immer wieder, dass Kinder ihre Gefühle besser regulieren und weniger gestresst sind. Den Wutausbruch selbst verhindert Kinderyoga nicht, aber es gibt deinem Kind Wege zurück zur Ruhe.
Was ist der Unterschied zwischen einem Wutausbruch und einem Meltdown?
Ein Wutausbruch hat einen Auslöser wie ein Nein oder Frust und ebbt ab, wenn die Wut verraucht ist. Ein Meltdown ist eine Reaktion auf Überlastung: Es ist einfach zu viel, das Kind hat darauf keinen Einfluss. Dann helfen weniger Reize, wenige Worte und Geduld. Meltdowns werden besonders oft bei Kindern mit Autismus oder ADHS beschrieben.
Wie kann ich Atemübungen mit meinem Kind üben?
Spielerisch und regelmäßig, wenn alles ruhig ist, nicht erst, wenn es brennt. Nutze Bilder wie Drachen-Atem, Luftballon-Atem oder Blumen-Atem. Zwei bis drei Mal pro Woche als kleines Ritual reicht, zum Beispiel vor dem Abendessen oder beim Zubettgehen. Bei KIDSYOGA+ gehören Atemübungen zu jedem Abenteuer.
Mein Kind wird nach Bildschirmzeit immer wütend. Was tun?
Das erleben viele Familien. Mitten in etwas Spannendem aufzuhören, fällt Kindern schwer. Zwei Dinge helfen: den Übergang ankündigen („Nach dieser Folge ist Schluss“) und danach etwas Schönes anbieten. Und wenn der Bildschirm ohnehin läuft, dann lieber mit Bewegung, zum Beispiel mit Kinderyoga statt Zeichentrick. Mehr dazu im Bildschirmzeit-Guide.
Wie hängen Schlaf und Gefühle zusammen?
Sehr eng. Müde Kinder haben weniger Geduld und explodieren schneller. Viele Wutausbrüche, die nach Trotz aussehen, haben mit zu wenig Schlaf zu tun. Laut DAK-Präventionsradar 2025/26 hat fast jedes zweite Schulkind mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme. Tipps für ruhigere Abende findest du im Kinderschlaf-Guide.
Ab wann kann mein Kind allein Kinderyoga machen?
Ab etwa 4 Jahren folgen viele Kinder einem Kinderyoga-Video selbstständig. Bei KIDSYOGA+ leitet Isabell alles an, dein Kind braucht keine Hilfe von dir. Jüngere haben mehr davon, wenn du dabei bist.
Ersetzt Kinderyoga eine Beratung oder Therapie?
Nein. Kinderyoga stärkt die emotionale Entwicklung und ist eine schöne Begleitung im Alltag. Wenn du dir Sorgen machst, sprich mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt oder wende dich an eine Erziehungsberatungsstelle. Kinderyoga kann dann gut ergänzen.
Zahlt die Krankenkasse einen Kurs für mein Kind?
Für Kinder von 6 bis 12 Jahren gibt es unseren Präventionskurs Yoga-Abenteuer für Kinder, zertifiziert nach § 20 SGB V (Kurs-ID KU-ST-9KWSK7). Deine Krankenkasse erstattet den größten Teil, den Rest legen wir drauf. Für jüngere Kinder passt der KIDSYOGA+ Club ab 3 Jahren.
Was ist die K.I.D.S.-Methode?
Die K.I.D.S.-Methode™ hat Isabell Düsterloh, die Gründerin von KIDSYOGA+, entwickelt. Sie hilft Eltern, das Verhalten ihres Kindes zu verstehen und es klar und liebevoll zu begleiten. K.I.D.S. steht für Kompetenz verstehen, Innere Haltung, Dialog ermöglichen und Selbstwirksamkeit fördern. Kennenlernen kannst du sie in der K.I.D.S. Eltern Challenge™.
Gefühle sind keine Probleme, sondern Lernchancen
Große Gefühle gehören zur Kindheit. Sie sind anstrengend, für dein Kind und für dich. Aber sie sind kein Fehler. Jeder Wutausbruch ist eine Gelegenheit für dein Kind, etwas über sich zu lernen. Und jedes Mal, wenn du es dabei begleitest, übt sein Gehirn für die Zukunft.
- Wutausbrüche sind normal. Sie zeigen, dass das Gehirn deines Kindes noch lernt, nicht dass es „böse“ ist.
- Co-Regulation ist der Schlüssel. Dein Kind braucht dich als ruhige, verlässliche Begleitung.
- Körper und Gefühle hängen zusammen. Bewegung und Atemübungen sind direkte Werkzeuge.
- Üben, bevor es stürmt. Was in ruhigen Momenten vertraut ist, hilft im Ernstfall.
- Schlaf zählt. Ausgeschlafene Kinder haben mehr Geduld. Mehr dazu im Kinderschlaf-Guide.
Und der wichtigste Satz für dich: Du musst das nicht perfekt machen. Du musst nur da sein. Und das tust du bereits.







