„Ich kann nicht schlafen“: Das kennt fast jede Familie
Es ist halb neun. Eigentlich sollte dein Kind längst schlafen. Stattdessen: „Ich hab Durst.“ „Mir ist langweilig.“ „Ich kann nicht einschlafen.“ Und du sitzt da, am Ende eines langen Tages, und willst eigentlich nur noch aufs Sofa.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht allein, und du machst nichts falsch. Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Sorgen von Eltern, und sie werden mehr.
Fast jedes zweite Schulkind hat mindestens einmal pro Woche Schlafprobleme. Im Schuljahr 2019/20 waren es noch 36 %.
DAK-Präventionsradar, Schuljahr 2025/26, über 30.000 Befragte der Klassen 5 bis 10Mehr als zwei von drei Schulkindern fühlen sich mindestens einmal pro Woche ausgelaugt. Drei Jahre zuvor waren es 52 %.
DAK-Präventionsradar, Schuljahr 2025/26So viel brauchen Kinder von 6 bis 12 Jahren pro Nacht. Kindergartenkinder brauchen 10 bis 13 Stunden, Mittagsschlaf eingerechnet.
American Academy of Sleep Medicine, Journal of Clinical Sleep Medicine, 2016Die gute Nachricht: Meist steckt keine Krankheit dahinter, sondern der Abend. Zu wenig Bewegung, Bildschirm bis kurz vorm Bett, kein fester Ablauf. Das alles lässt sich ändern, und dieser Guide zeigt dir, wie.
Schnelle HilfeSofort-Hilfe für heute Abend: Kind schläft nicht ein, 7 TippsWarum Kinder schlecht schlafen: Die 5 häufigsten Ursachen
Bevor du an Lösungen arbeitest, hilft es zu verstehen, warum dein Kind abends nicht zur Ruhe kommt. Meistens wirken mehrere dieser Gründe zusammen.
Wer sich tagsüber kaum bewegt hat, ist abends im Kopf müde, aber nicht im Körper. Das Einschlafen dauert. Und Bewegung ist knapp: Das Bewegungs-Zeugnis 2022 gibt Kindern und Jugendlichen in Deutschland für ihre körperliche Aktivität nur die Note 4-.
Kinderyoga: Bewegung, die zur Ruhe führt →Schnelle Schnitte, helle Bilder und das nächste Video halten das Gehirn wach. Die American Academy of Pediatrics rät deshalb, alle Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen auszuschalten.
Bildschirmzeit für Kinder →Nach einem vollen, aufregenden Tag steht das Nervensystem abends noch auf Gas. Zum Einschlafen braucht es die Bremse. Dieser Wechsel passiert bei Kindern nicht auf Knopfdruck, er braucht ein Ritual, das dem Körper sagt: Jetzt wird es ruhig.
Mal um sieben ins Bett, mal um neun, mal mit Tablet, mal ohne: Wenn jeder Abend anders ist, fehlt dem Körper das Signal zum Runterfahren. Eine feste Abendroutine ist eine der wirksamsten Maßnahmen für besseren Kinderschlaf.
Streit in der Pause, Angst vor der Klassenarbeit, ein neues Geschwisterchen: Kinder verarbeiten den Tag oft erst im Bett. Ohne Werkzeug für diese Gefühle wird das Einschlafen zur Grübelstunde.
Emotionen bei Kindern begleiten →Was passiert, wenn Kinder zu wenig schlafen?
Schlafmangel ist mehr als ein müdes Gesicht am Morgen. Im Schlaf wächst der Körper, das Gehirn sortiert das Gelernte und die Gefühle kommen wieder ins Gleichgewicht. Fehlt der Schlaf über Wochen, merkt man das an vielen Stellen.
- Die Konzentration lässt nach, Aufgaben dauern länger
- Das Gedächtnis arbeitet schlechter, Gelerntes bleibt weniger hängen
- Entscheidungen und Impulskontrolle fallen schwerer
- Kinder sind reizbarer und schneller überfordert
- Es gibt mehr Wutausbrüche und Tränen
- Das Risiko für Ängste und gedrückte Stimmung steigt
Was die Forschung zeigt
Eine große US-Studie mit Neun- und Zehnjährigen hat Kinder verglichen, die weniger als neun Stunden pro Nacht schlafen, mit Kindern, die genug schlafen. Bei den Kurzschläfern war die graue Hirnsubstanz in Bereichen kleiner, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Impulskontrolle zuständig sind. Sie waren impulsiver und hatten häufiger Stress, Ängste und Aggressionen. Die Unterschiede waren auch zwei Jahre später noch da (Yang u. a., Lancet Child & Adolescent Health, 2022).

Andersherum gilt es auch: Guter Schlaf ist eine der besten Grundlagen für Konzentration und ausgeglichene Gefühle.
Wie viel Schlaf braucht dein Kind?
Die American Academy of Sleep Medicine hat 2016 mit einer Expertengruppe festgelegt, wie viel Schlaf Kinder regelmäßig brauchen. Die Werte gelten pro 24 Stunden.
| Alter | Tagschlaf | Empfohlen |
|---|---|---|
| 4 bis 12 Monate | eingerechnet | 12 bis 16 Stunden |
| 1 bis 2 Jahre | eingerechnet | 11 bis 14 Stunden |
| 3 bis 5 Jahre | eingerechnet, fällt oft weg | 10 bis 13 Stunden |
| 6 bis 12 Jahre | meist keiner mehr | 9 bis 12 Stunden |
| 13 bis 18 Jahre | meist keiner mehr | 8 bis 10 Stunden |
Quelle: Paruthi u. a., Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations, Journal of Clinical Sleep Medicine 2016
Manche Kinder brauchen etwas mehr, manche etwas weniger. Entscheidend ist nicht die genaue Stundenzahl, sondern wie dein Kind durch den Tag kommt.
- Es wacht meist von selbst oder leicht auf
- Es ist tagsüber wach, ausgeglichen und aufmerksam
- Es schläft nicht bei jeder Autofahrt ein (außer es ist noch klein)
Die Abendroutine: Schritt für Schritt
Eine vorhersehbare Abendroutine ist die wirksamste Einzelmaßnahme für besseren Kinderschlaf. Sie gibt dem Körper das Signal: Jetzt beginnt die Ruhe. Und sie nimmt die Verhandlungen raus, denn wenn der Ablauf steht, gibt es weniger zu diskutieren.
So kann ein ruhiger Abend aussehen. Passe ihn an eure Familie an:
- Ausklingenetwa 60 Minuten vorherBildschirme aus. Ruhig spielen, gemeinsam aufräumen, das Kuscheltier suchen. Wenn ihr ein Kinderyoga-Video nutzt, passt es direkt davor, zum Beispiel gleich nach dem Abendessen.
- Bad und Zähneetwa 30 Minuten vorherZähneputzen, Schlafanzug, Toilette. Immer in derselben Reihenfolge. Diese gleichen Handgriffe sagen dem Körper: Der Tag geht zu Ende.
- Ruhig werdenetwa 15 Minuten vorherVorlesen, leise erzählen, was heute schön war. Oder eine Atemübung im Bett: Das Kuscheltier liegt auf dem Bauch und fährt mit dem Atem auf und ab.
- Gute Nachtdie letzten MinutenEin Kuss, ein Satz, der immer gleich ist, zum Beispiel „Schlaf gut, ich hab dich lieb“. Licht aus.
Je mehr Abende pro Woche eine feste Routine hatten, desto früher und schneller schliefen Kinder bis sechs Jahre ein, desto seltener wachten sie auf und desto länger schliefen sie.
Mindell u. a., Sleep, 2015Schon nach zwei Wochen mit einem gleichen Ablauf am Abend schliefen Babys und Kleinkinder schneller ein und wachten nachts seltener auf. Auch die Stimmung der Mütter wurde besser.
Mindell u. a., Sleep, 2009So lange vor dem Schlafengehen sollten alle Bildschirme aus sein. Und nachts gehören sie nicht ins Kinderzimmer.
American Academy of Pediatrics, HealthyChildren.orgDie Routine muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass dein Kind weiß, was kommt: Nach dem Zähneputzen wird vorgelesen, nach dem Vorlesen geht das Licht aus. Dieses Wissen allein nimmt viel Druck aus dem Abend.
7 Strategien für besseren Kinderschlaf
Die Abendroutine ist das Fundament. Diese sieben Strategien machen sie noch wirksamer.
Draußen spielen, Rad fahren, ein wildes Kinderyoga-Abenteuer: Bewegung macht müde, wenn sie früh genug kommt. Kurz vor dem Schlafen passen ruhige Übungen und Atmen besser als Toben.
Serien, YouTube und Spiele halten wach. Mach die letzte Stunde vor dem Schlafen bildschirmfrei und lass Tablet und Handy nachts nicht im Kinderzimmer.
Dunkel, eher kühl und ruhig. Verdunkelungsvorhänge helfen im Sommer, wenn es abends lange hell ist. Spielsachen, die laut blinken, dürfen nachts woanders schlafen.
Der Körper liebt Regelmäßigkeit. Halte die Schlafenszeit unter der Woche und am Wochenende möglichst ähnlich. Große Sprünge wirken wie ein kleiner Jetlag.
Helles Licht am Morgen stellt die innere Uhr. Zu Fuß zur Kita oder Schule ist dafür ideal, auch an grauen Tagen.
„Was war heute schön? Was war schwer? Worauf freust du dich morgen?“ Wer seine Gedanken vor dem Licht-aus loswird, grübelt im Bett weniger.
Atemübungen, Fantasiereisen und sanfte Yoga-Übungen helfen dem Körper, auf Ruhe umzuschalten. Je öfter dein Kind sie macht, desto leichter fallen sie ihm. Im Präventionskurs lernt dein Kind fünf Atemübungen, die es auch im Bett machen kann.
Bildschirmzeit und Schlaf: Was du wissen solltest
Der Zusammenhang zwischen Bildschirm am Abend und schlechtem Schlaf ist gut untersucht. Drei Dinge spielen zusammen:
- Aufregung: Schnelle Schnitte, helle Farben und ständig Neues halten das Gehirn im Wachmodus.
- Licht: Helles Bildschirmlicht am Abend kann das Schlafhormon Melatonin bremsen, das dem Körper sagt: Zeit zum Schlafen.
- Verdrängung: Die Zeit am Bildschirm fehlt für das, was beim Runterkommen hilft: Vorlesen, Spielen, Reden.
Nicht jede Bildschirmzeit ist gleich. Passives Schauen mit Autoplay ist etwas anderes als ein Kinderyoga-Abenteuer, bei dem dein Kind sich bewegt und mitatmet. Trotzdem gilt für die letzte Stunde vor dem Schlafen: Bildschirm aus. Das Mitmach-Video hat seinen Platz davor, die Atemübung aus dem Video nimmt dein Kind mit ins Bett.
Dein Fahrplan für den Abend
Bildschirm mit Bewegung
Wenn der Bildschirm läuft, dann am besten zum Mitmachen. Ein Kinderyoga-Abenteuer bewegt, Scrollen nicht.
Bildschirme aus
Der wichtigste Schritt. Der Nachtmodus allein reicht nicht, denn auch spannende Inhalte halten wach.
Hören statt schauen
Vorlesen, ein leises Hörspiel, eine Fantasiereise zum Anhören oder eine Atemübung mit dem Kuscheltier.
Geräte schlafen woanders
Tablet, Handy und Fernseher bleiben außerhalb des Kinderzimmers. Das rät auch die American Academy of Pediatrics.
Kinderyoga als Einschlaf-Ritual: Warum es wirkt
Kinderyoga am Abend hat nichts mit Esoterik zu tun. Es verbindet genau die Dinge, die Kinder zum Runterkommen brauchen: erst Bewegung, dann Atmen, dann Ruhe. Wenn dein Kind sich streckt, tief atmet und am Ende bei einer Fantasiereise liegt, passieren drei Dinge gleichzeitig.
Langsames, tiefes Atmen in den Bauch hilft dem Nervensystem, vom Gas auf die Bremse zu wechseln. Das Herz wird ruhiger, die Muskeln lassen los.
Kinder tragen den Tag im Körper: hochgezogene Schultern, flacher Atem, Kribbeln in den Beinen. Erst bewegen, dann dehnen, dann liegen löst diese Spannung Schritt für Schritt.
Eine Fantasiereise gibt den Gedanken etwas Ruhiges zu tun. Statt an den Streit in der Pause denkt dein Kind an die Wolke, auf der es gerade schwebt.
Was die Forschung sagt
Gut belegt ist, dass feste Abendroutinen Kindern beim Schlafen helfen. Zu Yoga als Abendritual gibt es bisher nur kleine Studien. In einer Pilotstudie aus den USA (Cea u. a., 2024) ließ sich ein Yoga-Ritual vor dem Schlafen gut in den Familienalltag mit Zwei- bis Fünfjährigen einbauen, und die Kinder schliefen laut Fragebogen besser. Das taten sie allerdings auch in der Vergleichsgruppe mit Gutenachtgeschichte. Der Ablauf zählt also mindestens so sehr wie die Übung.
Für Yoga mit Kindern allgemein ist die Studienlage breiter: Eine Übersicht über 47 Studien zu Yoga an Schulen zeigt immer wieder, dass Kinder ihre Gefühle besser regulieren und weniger gestresst sind (Khalsa und Butzer, 2016). Genau das hilft abends beim Einschlafen.
Eine Mutter hat Isabell auf WhatsApp von ihrer Erfahrung mit Kinderyoga erzählt. Wir zeigen die Nachricht mit ihrer Erlaubnis.

Einschlaf-Übungen zum Ausprobieren
Diese fünf Übungen gehen ohne Bildschirm, die meisten sogar im Bett. Erzähl eine kleine Geschichte dazu, dann macht dein Kind keine „Übung“, sondern schaukelt sein Kuscheltier in den Schlaf.
Das Kuscheltier-BootBauchatmung
Auf den Rücken legen, das Kuscheltier auf den Bauch setzen. Einatmen, der Bauch hebt das Boot. Ausatmen, es sinkt wieder. Fünf bis zehn ruhige Atemzüge.
„Dein Kuscheltier fährt auf den Wellen. Ganz langsam, damit es nicht runterfällt.“
Blume und KerzeAtemübung
Durch die Nase einatmen, als würdest du an einer Blume riechen. Durch den Mund langsam ausatmen, als würdest du eine Kerze auspusten, ohne dass sie ausgeht.
„Riech an der Blume. Und jetzt puste die Kerze ganz sanft, sie soll nur flackern.“
Das PäckchenBalasana
Auf die Fersen setzen, den Oberkörper nach vorn auf die Oberschenkel legen, die Stirn auf die Matte oder das Kissen. Die Arme liegen locker neben dem Körper.
„Du bist ein kleines Päckchen. Niemand weiß, was drin ist. Ganz still.“
Der müde BärKörperreise
Im Liegen nacheinander Füße, Beine, Bauch, Arme und Kopf schwer werden lassen. Du sagst leise, welcher Körperteil dran ist.
„Der Bär ist so müde. Erst werden seine Tatzen schwer, dann die Beine, dann der Bauch …“
Die WolkenreiseFantasiereise
Dein Kind liegt mit geschlossenen Augen. Du erzählst langsam von einer weichen Wolke, die es sanft über Wiesen und Wälder trägt und zum Schluss zurück ins Bett.
„Du legst dich auf eine weiche Wolke. Sie ist warm und trägt dich ganz leicht.“

So wird Kinderyoga zum Abendritual
- Fester Platz im Ablauf: Das Mitmach-Abenteuer vor der bildschirmfreien Stunde, zum Beispiel nach dem Abendessen. Im Bett dann die Atemübung ohne Bildschirm.
- Ruhige Abenteuer wählen: Abends lieber Fantasiereise und Dehnen als Dinos, die stampfen.
- Dein Kind darf es allein: Ab etwa vier Jahren machen Kinder ein Video selbstständig mit. Du musst nicht dabei sein.
- Kein Druck: Wenn dein Kind mal nicht will, ist das in Ordnung. Es ist ein Angebot, keine Pflicht.
Für Kinder von 6 bis 12 Jahren gibt es den Präventionskurs mit Zuschuss der Krankenkasse. Für Kinder ab 3 Jahren den Club mit dem Abenteuer „Kinderyoga zum Einschlafen“.
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Schlaftipps nach Alter
Jedes Alter bringt eigene Schlafthemen mit. Das hilft in welcher Phase:
Die Noch-einmal-aufstehen-Phase
Noch ein Glas Wasser, noch mal aufs Klo, mir ist kalt: Kinder testen auch beim Einschlafen Grenzen. Was hilft: eine Routine, die alles vorwegnimmt (Trinken, Toilette, Kuscheltier) und ein liebevolles, klares „Jetzt ist Schlafenszeit“.
Der Schulstart
Früher aufstehen, länger stillsitzen, neue Kinder: Viele schlafen in dieser Zeit plötzlich schlechter, weil sie mehr verarbeiten müssen. Hier helfen viel Bewegung am Nachmittag und ein Abend mit Gesprächsrunde und Entspannung.
Grübeln und Sorgen
Das Innenleben wird größer. „Was ist, wenn …?“-Fragen und der Vergleich mit anderen kommen abends hoch. Hilfreich: ein Sorgenheft, in das die Gedanken vor dem Schlafen wandern, und Atemübungen, die das Karussell im Kopf anhalten.
Die innere Uhr wandert
In der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr nach hinten. Jugendliche werden später müde, müssen aber früh raus. Das ist Biologie, keine Faulheit. Umso wichtiger: Bildschirme abends runter und feste Zeiten, auch am Wochenende.
Wann du dir professionelle Hilfe holen solltest
Die meisten Schlafprobleme lassen sich mit Routine und Geduld gut lösen. In diesen Fällen sprich bitte mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt:
- !Dein Kind schnarcht regelmäßig oder hat Atemaussetzer im Schlaf
- !Die Schlafprobleme bleiben seit Wochen, obwohl ihr eine feste Routine habt
- !Dein Kind hat große Angst vor dem Einschlafen, nicht nur „keine Lust“
- !Dein Kind ist tagsüber sehr müde, obwohl es lange genug schläft
- !Schlafwandeln, häufige Albträume oder nächtliches Aufschrecken belasten die Familie
- !Du selbst bist durch die Nächte deines Kindes am Ende deiner Kraft
Die erste Anlaufstelle ist eure Kinderarztpraxis. Sie kann bei Bedarf an eine schlafmedizinische Sprechstunde überweisen. Informationen zu Schlaf und Schlafmedizin findest du auch bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin auf dgsm.de.
Melatonin-Gummibärchen wirken harmlos, enthalten aber ein Hormon. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät (2024), sie nicht als vermeintlich unbedenkliche Einschlafhilfe für Kinder zu nutzen, denn Kinder bauen Melatonin langsamer ab und zu den Folgen für Wachstum und Pubertät ist wenig bekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin warnt 2026 ebenfalls davor. Als Medikament ist Melatonin für Kinder nur bei bestimmten Diagnosen zugelassen, zum Beispiel bei Autismus oder ADHS, und erst, wenn eine gute Schlafroutine nicht reicht.
Häufige Fragen zum Kinderschlaf
Mein Kind will nur einschlafen, wenn ich dabei bin. Was tun?
Das ist gerade bei jüngeren Kindern völlig normal. Wenn du es ändern möchtest, geh in kleinen Schritten vor: erst neben dem Bett sitzen, dann ein Stück weiter weg, dann an der Tür, dann draußen. Jeder Schritt darf Tage oder Wochen dauern. Eine Atemübung mit dem Kuscheltier oder eine Fantasiereise zum Anhören kann den Übergang leichter machen.
Hilft ein Nachtlicht oder sollte es komplett dunkel sein?
Ein schwaches, warmes Nachtlicht in Orange oder Rot ist in Ordnung und gibt vielen Kindern Sicherheit. Helles, bläuliches oder weißes Licht kann das Einschlafen stören, wähle also bewusst warme Farbtöne.
Soll mein Kind noch Mittagsschlaf machen?
Das ist sehr unterschiedlich. Mit drei Jahren schläft etwa jedes zweite Kind noch mittags, mit vier etwa jedes dritte, und manche Grundschulkinder legen sich ab und zu noch hin. Wenn dein Kind abends lange wach liegt und mittags noch schläft, kann es helfen, den Mittagsschlaf zu verkürzen oder früher zu legen.
Kann Kinderyoga beim Einschlafen helfen?
Ja, vor allem als festes Abendritual. Ruhige Bewegung, langsames Atmen und eine Fantasiereise helfen dem Körper, auf Ruhe umzuschalten. Gut belegt ist, dass feste Abendroutinen den Schlaf von Kindern verbessern. Zu Yoga als Abendritual gibt es bisher nur kleine Studien, viele Eltern erzählen uns aber, dass ihr Kind danach schneller einschläft.
Ab wann sollte mein Kind eine feste Schlafenszeit haben?
Je früher, desto besser. Schon Babys und Kleinkinder profitieren von einem festen Rhythmus. Ab dem Kleinkindalter hilft eine klare Schlafenszeit, die auch am Wochenende nicht weit davon abweicht.
Was halte ich von Schlaftraining wie Schreienlassen?
Das Thema ist umstritten, und Studien zu Schlafprogrammen für Babys und Kleinkinder kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wir raten zu sanften Wegen: sich schrittweise zurückziehen, beruhigende Routinen und Entspannungsübungen. Das braucht etwas mehr Geduld, fühlt sich für die meisten Familien aber besser an.
Mein Kind hat Albträume. Was kann ich tun?
Albträume sind im Kindergarten- und Grundschulalter häufig und gehören zur Entwicklung dazu. Trösten, da sein, nicht kleinreden („Das war doch nur ein Traum“ hilft selten). Am nächsten Tag darüber reden und das Monster vielleicht umschreiben: „Was könntest du ihm sagen?“ Eine ruhige Abendroutine mit schöner Fantasiereise gibt dem Kopf gute Bilder mit in die Nacht.
Wie wirken sich Zucker und Essen auf den Schlaf aus?
Schwere, süße Mahlzeiten am späten Abend können den Schlaf stören. Ideal ist ein leichtes Abendessen etwa eine Stunde vor dem Schlafen. Koffeinhaltige Getränke wie Cola, Eistee oder Energydrinks sind ab dem Nachmittag tabu, auch für ältere Kinder.
Wie hängen Schlaf und Konzentration zusammen?
Eng. Im Schlaf sortiert das Gehirn, was tagsüber gelernt wurde. Kinder mit zu wenig Schlaf können sich schlechter konzentrieren und merken sich weniger. Wenn dein Kind trotz genug Schlaf schwer bei der Sache bleibt: Im Konzentrationskurs findest du mit einem Selbsttest heraus, ob es ein Fokus Fuchs, eine Wellensurfer*in oder eine Gedankenabenteurer*in ist.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Wutausbrüchen?
Ja. Müde Kinder haben weniger Kraft, ihre Gefühle zu steuern. Der Teil des Gehirns, der Impulse bremst, arbeitet bei Schlafmangel schlechter. Die Folge: mehr Wut, mehr Tränen, mehr Streit. Mehr dazu im Guide zu Emotionen bei Kindern.
Darf ich meinem Kind Melatonin geben?
Nicht auf eigene Faust. Als Medikament ist Melatonin für Kinder nur bei bestimmten Diagnosen zugelassen, etwa bei Autismus oder ADHS, und erst dann, wenn eine gute Schlafroutine nicht reicht. Vor Melatonin-Gummibärchen aus Drogerie oder Internet warnen das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Sprich bei anhaltenden Schlafproblemen mit eurer Kinderarztpraxis.
Zahlt die Krankenkasse einen Kurs, der beim Einschlafen hilft?
Für Kinder von 6 bis 12 Jahren gibt es unseren Onlinekurs Yoga-Abenteuer für Kinder. Er ist ein Präventionskurs nach § 20 SGB V im Handlungsfeld Entspannung, geprüft von der Zentralen Prüfstelle Prävention (Kurs-ID KU-ST-9KWSK7). Deine Krankenkasse erstattet den größten Teil, den Rest legen wir drauf. Für jüngere Kinder passt der KIDSYOGA+ Club.
Guter Schlaf beginnt vor dem Schlafengehen
Kinderschlaf ist kein Glücksspiel. Er lässt sich gestalten, mit Wissen, einem festen Ablauf und den richtigen Werkzeugen. Das Wichtigste aus diesem Guide:
- Schlafprobleme sind häufig und meist keine Krankheit, sondern eine Frage der Gewohnheiten.
- Bewegung am Tag, Ruhe am Abend: Der Körper braucht beides, um gut zu schlafen.
- Die Abendroutine ist der Schlüssel. Ein vorhersehbarer Ablauf sagt dem Nervensystem: Jetzt wird runtergefahren.
- Die letzte Stunde ist bildschirmfrei. Ein Mitmach-Abenteuer davor ist in Ordnung, im Bett wird gehört statt geschaut.
- Atmen und Fantasiereisen helfen beim Runterkommen, am besten jeden Abend gleich.
Und vergiss nicht: Du machst das gut, auch wenn die Abende manchmal chaotisch sind. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, Schritt für Schritt bessere Gewohnheiten aufzubauen. Und das kann heute Abend anfangen.









